Grönlands Eis verbirgt einen riesigen alten See

Als Nordwestgrönland eisfrei war, bildete sich in der Gegend ein riesiger See. Forscher haben gerade sein versteinertes Bett unter mehr als einem Kilometer Eis gefunden. Und sie hoffen, durch die Untersuchung der am Boden abgelagerten Sedimente mehr über die Umweltgeschichte der Region zu erfahren.

Wissenschaftler sind heute mit subglazialen Seen vertraut. Sie haben in den letzten Jahren mehrere gefunden. Der größte davon ist der Wostoksee in der Antarktis. Aber diesmal ist es ein riesiger alter, leerer See, von dem uns Forscher der Columbia University (USA) erzählen. Sie entdeckten es mehr als 1,8 Kilometer tief unter der nordwestgrönländischen Kappe. Dies ist das allererste Mal, dass ein solches subglaziales Merkmal auf der Welt entdeckt wurde: ein fossiles Bett, das sich offenbar in Abwesenheit von Eis gebildet und dann vollständig bedeckt hat.

Es wird angenommen, dass das Bett dieses alten Sees zwischen einigen hunderttausend und Millionen von Jahren alt ist. Es kann einzigartige fossile oder chemische Spuren des vergangenen Klimas und Lebens der Region enthalten. Wie könnte man besser verstehen, wie sich die grönländische Eisdecke in den kommenden Jahren im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung entwickeln könnte?

Im Rahmen der von der NASA gestarteten Operation IceBridge wurde die Entdeckung gemacht. Dank luftgetragener Instrumente, die in der Lage sind, das Eis zu durchdringen, um bisher verborgene Signale zu lesen. Und liefern so Bilder von subglazialen geologischen Strukturen. Ein Radar ergab eine topografische Karte, die die Konturen eines glatten Beckens enthüllte, das in höhere Felsen eingebettet war. Gravimetrische Messungen zeigten im Becken eine geringere Dichte als in der Umgebung. Magnetische Messungen halfen dabei, die Tiefen der Sedimente abzubilden.

Bohren Sie das Eis, um mehr zu erfahren

Nach diesen Daten war die Region einst die Heimat eines Sees von über 7.000 Quadratkilometern. Ein See, der von Norden aus von mindestens 18 Bächen gespeist wird und zu einer Wassertiefe zwischen 50 und 250 Metern führt. Dort wurden offenbar Sedimente mit einer Dicke von bis zu 1,2 Kilometern abgelagert. Vermutung, dass sie sich dort über mehrere eisfreie Perioden über Hunderte oder Millionen von Jahren angesammelt haben.

Die Forscher stellen sich vor, dass sich dieser See entlang einer alten Verwerfungslinie gebildet hat oder dass eine Vereisung eine Vertiefung erzeugt hat, die sich mit Wasser füllte, als das Eis zurückging. Die Frage bleibt ungelöst.

“Wenn wir diese Sedimente erreichen könnten, könnten sie uns sagen, wann Eis vorhanden war oder nicht”, sagte Guy Paxman, Hauptautor der Studie, in einer Erklärung. Sie könnten auch andere wertvolle Informationen über die Umweltgeschichte der Region preisgeben. Dazu müssen mindestens 1,8 Kilometer unter der Oberfläche gebohrt werden. Und es wird nicht einfach sein.